Mentalität des Erwerbs (Campus, Frankfurt 1992).

Die Autobiographien der herausragenden Wirtschaftslenker der Boomzeit vor Ronald Reagan (Watson, IBM; Iaccoca, Chrysler; Donald Trump) verraten wenig über die wirtschaftliche Kompetenz ihrer Verfasser. Anstatt ihr Organisationstalent, ihre geschickte Menschführung, ihren intelligenten Umgang mit Strukturen und ihre scharfe analytische Beobachtungsgabe zu betonen, heben sie lieber nicht-rationale Qualitäten hervor und sind stolz auf Atavistisches wie Willenskraft und Bauchgefühl. Entscheidend für den Erfolg, darin stimmen die drei überein, sind Führungsstärke, Entscheidungsfreude und Fingerspitzengefühl.

Damit sitzen sie einem Selbstmissverständnis (Habermas) auf und bedienen sich aus dem traditionellen Managerbild, das sich in den USA seit Benjamin Franklin entwickelte. Warum aber diese verzerrende Sicht auf wirtschaftliche Leistung? Warum betont man nicht die wirklichen Stärken? Wie sich die romantischen Dichter durch ihre Imaginationskraft zu Genies stilisierten, bevorzugen Spitzenmanager intuitive Talente, die in ihrer Unergründbarkeit grandioser wirken als rationale Tüftelei. Am weitesten geht dabei Donald Trump, der sich frech zum Künstler erklärt und sein Buch The Art oft he Deal nennt.

Der Grund für diese gewollten Fehldeutungen liegt auf der Hand: Den ganz Großen werden Gehälter gezahlt, die jeden Zusammenhang zur Vergütung des Normalsterblichen verloren haben. Um das zu rechtfertigen, muss man in die Kategorie Übermensch gehören.

(2 Auflagen, inzwischen vergriffen; bei amazon gelegentlich gebrauchte Exemplare)